Weine aus dem Land der Affen – Weingut Kranz

Es ist nun schon eine gewisse Zeit her, dass wir die Weine vom Weingut Kranz aus der Südpfalz probiert haben. Nun zwar mit Verspätung, aber im Grunde immer noch aktuell unsere Verkostungsnotizen. In den 70er Jahren wurde das Weingut von den Eltern begründet und heute werden rund 17 ha Weinberge, 60% Weißwein und 40% Rotwein, bewirtsschafte. Das Weingut Kranz ist im wahrsten Sinne ein Familienunternehmen, denn die Weinberge werden ausschließlich von der Familie gehegt und gepflegt – vom Anbau bis letztendlich zur Abfüllung der Weine liegt alles in einer Hand. So entstehen eigenständige und charaktervolle Weine, die das Terroir schmecken lassen. Mittlerweile ist das Weingut für seine Weinqualitäten in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen worden.

Für die Anfrage nach Probeflaschen waren zwei Dinge ausschlaggebend, einerseits die Verwendung, der mit bis dahin mir unbekannten, Rebsorte Dunkelfelder und das Engagement von Boris Kranz um die Lage Ilbesheimer Kalmit.

»Einmalig in der Pfalz ist das Terrain der kleinen Kalmit – ein Hügel, entstanden während der Absenkung des Oberrheingrabens des Tertiär. Landschneckenkalk, Mergel, Löß, Gehängelehm – diese Bodenbeschaffenheit, gepaart mit optimalen mikroklimatischen Bedingungen, erlaubt unseren Trauben ausgiebig Sonne und Kraft zu tanken. Durch die Exposition der Hanglage nach Süden speichert das poröse Kalkgestein tagsüber die Wärme und gibt diese an die Reben ab. Dadurch finden spät ausreifende Rebsorten wie der Riesling hier ideale Voraussetzungen um, besonders gut zu gedeihen. Die Wurzeln der Reben können in den verwitterten, porösen Kalkstein besonders gut eindringen. So entstehen Weine, die von der Mineralik ihres Ursprungs geprägt sind.«

Der Ortswein »Ilbesheimer Riesling sandiger Lehm 2010« besticht durch rassige Mineralität und feine Aromen von Pfirsich und Aprikose sowie etwas Apfelkompott in der Nase. Im Mund dominiert die mineralische Struktur.

Der Riesling von der »Ilbesheimer Kalmit 2009« überraschte uns in der Nase mit Aromen von weißem Pfirsich, frischen Gartenkräuter aber auch Anis und Fenchel. Im Abgang ist er lange, bleibt aber trotzdem elegant. Am Ende kommt etwas weißer Pfeffer hinzu.
 

Der »Ilbesheimer Silvaner« bringt zunächst eine feine Zitrusnote mit, dann kommen grüne Noten von frischen Kräutern und Mandelaromen. Im Mund erhält man eine kräftige Würze und Erdigkeit. Der »Weißburgunder« von Kranz ist in der Nase etwas zurückhaltend, im Mund hat er dann jedoch eine prägnante Melange von Schmelz, Säure, Würzigkeit und Fruchtsüße.
 

Neben den vier Weißweinen gab es auch zwei Rotweine.
Der erste war »August Hugo 2008« ein Cuvée aus jeweils 50% Spätburgunder und Dunkelfelder. Namensgeber des Wein ist übrigens der Großvater von Boris Kranz. Im Glas strömten uns dunkle Früchte, vor allem Pflaume entegegen, im Mund kommen noch Röstaromen und harmonische Tanine hinzu.
Mein eigentlicher Favorit der Probe ware der »Kranz 2.0« aus dem Jahrgang 2009, einem Cuvée aus den gleichen Rebsorten aber im ersten Moment könnte man ihn von der nase her mit einem südfranzösischen Wein verwechseln. Schwarze Kirschen, Kräuter und Aromen von Rauchspeck sowie Holz dominieren. Das Mundgefühl ist sehr weich und im Geschmack wieder die Kirschen und tolle Holzaromen.

Neben der Schaffung seiner charaktervollen Weine engagiert sich Boris Kranz auch in der Südpfalz Connection, einem Zusammenschluss mit den Winzerkollegen Peter Siener, Klaus Scheu, Sven Leiner und Volker Gies um den Gräfenhauser Edelburgunder. Es war einst einer der wertvollsten Weine aus Deutschland, der völlig in Vergessenheit geraten war, und nun wieder zu neuem Leben erweckt.

Zunächst dachte ich an den begleitendenden Song »We are family« von Sister Sledge, dann erinnerte ich ich jedoch an die Bookstore-Session von Mumford & Sons. Der Song und die Stimme des Sängers sind rauh und doch schmelzig, Country-Anklänge und doch filigran, ruhig und doch intensiv. »Little lion Man«, wobei ein Bezug zum Ilbesheimer Affen, der auch die Flaschen schmückt noch passender wäre. Ein authentischer Song zu authentischen Weinen.
 

Besuch beim Weingut Jonas Kiefer in Rheinhessen

Im März und im April besuchten wir, u.a. um unsere Bestände aufzustocken, den rheinhessischen Winzer Jonas Kiefer. Der Empfang war herzlich und neben den vorbestellten Weinen, konnten wir einige neuen Abfüllungen und auch Fassproben verkosten.

Wir haben neben dem Scheu auch den hervorragenden »Merlot Rosé« in den Kofferraum gepackt. Im Glas ist er zunächst sehr hell, was einen zu dem Irrtum verleiten könnte, dass der Wein in der Aromatik dünn wäre. Aber in Nase und Mund zeigt er sein wahres Gesicht, ein Rosé mit ganz viel Frucht aber auch Struktur, trotzdem ein leichter Wein.

Sein »Grüner Silvaner« ist wiederum eine ganz andere Welt. In der Nase ganz viel frisches Heu und feine Frucht, einfach erfrischend und mit eigenständigem Aromen im Bouquet.

Die beiden Weine aus der Gold-Edition, tragen die goldene Kapsel zurecht. Den »Pinot Noir 2009« kannte ich bereits von einer Twitter-Wine-Verkostung und der »Chardonnay 2011« bietet schönen Schmelz und reife Frucht.

Sein neuer Secco mit dem Namen FRESCH ist der ideale Aperitif für Sommerfeste und für alle Liebhaber fruchtig-frischer Perlweine.
 

Durch die Beteiligung von Jonas an der Vinovation Worms konnten wir auch den neuen Jahrgang des »Wormser Riesling« probieren. In der Nase Pfirsich und Mandarine sowie etwas an nasse Steine erinnernde Aromen. Im Mund nach einer Zeit im Glas dann wieder der Pfirsich, zarter Schmelz und im Abgang etwas nussig-buttrig. Zum damaligen Zeitpunkt noch etwas verschlossen, aber noch etwas auf der Flasche ruhen lassen und dann hat man ganz viel davon.

Wer die Weine der Vinovation Worms probieren möchte, dem empfehlen wir die Präsentation der Weine am 22. April in Worms im Schloss Herrnsheim.

Funky Fire mit Tobias Knewitz

Vor zwei Wochen besuchten wir an einem Sonntag Morgen Tobias Knewitz vom Weingut Knewitz in Appenheim. Nach dem wir vorab zehn seiner Weine probieren konnten, waren wir im Grunde fast von jedem angetan waren. Schwierig war dann jedoch die Entscheidung, welche Weine wir gerne bei den Verkostungen vorstellen wollen. Da aber vom 2010er Jahrgang bereits viele gar nicht mehr erhältlich sind, wurde uns die Wahl etwas erleichtert. Unsere Wahl fiel zunächst auf drei Weine, den Chardonnay Gutswein, den Riesling Kalkstein und der Appenheimer Silvaner. Leider, leider war unser großer Favorit der Weißburgunder Kalkstein schon komplett ausgetrunken, hier müssen wir auf den neuen Jahrgang warten.

Bevor die Weine in unserem Kofferraum verschwanden und nun im Verkostungsraum stehen, führte uns Tobias noch durch das Weingut und in den Keller. Anschließend probierten wir noch einige aktuellen Fassproben des Jahrgangs 2011. Was da im neuen Jahrgang auf uns zu kommt, ist jetzt schon absehbar: eigenständige und charaktervolle Weine!

Bei Tobias kommen auch viele Weißweine in Holzfässer und 80 % der Weine sind spontan vergoren. Die reichhaltigen Kalkstein-Lagen um Appenheim geben den Weinen eine besondere mineralische Note.

Riesling Kalkstein 2010
In der Nase findet man würzigen Pfirsich und eine Spur Anis im Mund dann einen wunderbar fein-körnige Mineralität, weiches Mundgefühl. Ein Wein mit Wiedererkennungswert.

Weißburgunder Kalkstein 2010
Im Bucket hat man zunächst buttrig Aromen und wird an nasse Steine und Moos erinnert, dahinter folgt eine süße Frucht. Im Mund dann einfach nur wow! Schmelzig, würzig, und etwas Brioche, tolle Balance von Fruchtsüße und Mineralität.

Silvaner Appenheimer 2010
Die Aromen im Glas erinnern an Honig bzw. Honigmelone, Birne und Apfel. Beim Trinken kommt dann eine sandig anmutende Mineralität, etwas weißer Pfeffer und im Abgang Marzipan-Anklänge. Ein saftiger Silvaner mit einer Portion Schmelz im Mund. 

Chardonnay 2010
Der Gutswein-Chardonnay bietet viel Trinkspaß zu einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Der erste Eindruck, Kräuter, Minze und etwas nasse Steine ummantelt von einer feinen Fruchtsüße. Im Mund dann reife, saftige Birne.

Auf Knewitz sind wir durch die Empfehlung des Gault & Millau aufmerksam geworden, der bereits 2011, dem Weingut eine Traube verliehen hat:
»Dies ist der nächste Aufsteiger aus Appenheim, der bei Philipp Kuhn und Philipp Wittmann gelernt hat. Seine Silvaner sind mineralisch, komplex, geschliffen und zeigen bereits in der Basis eine pikante Würze.«

Und im Gespräch spürt man so richtig die Leidenschaft, das Feuer, mit dem der erst 21jährige über seine Weine und über seine Ziele spricht. Und sein Ziel ist nichts geringeres als an die Spitze der Weinerzeuger in Rheinhessen aufzusteigen. Das was wir bisher probiert haben hat uns gezeigt, dass die Basis hierfür schon ausgezeichnet ist.

Ein Jungwinzer der für seine Weine brennt und dazu ein feuriger Song von »The Aggrolites«: Funky, lebendig, feurig, aber auch mit einer »mineralischen« Stimme.