Es war einmal – Lost Distilleries

Wer tiefer in die Welt der Whiskys eintaucht, hört früher oder später mal beim Anblick nicht so gängiger Flaschen ein ehrfürchtiges Raunen: »Ah, der Whisky kommt von einer Lost Distillery.« (Manchmal liest oder hört man statt Lost auch Silent Distillery.)

Lost Distillery?! Verlorene Brennerei?! Ja, es gibt Brennereien, die irgendwann »verloren« gegangen sind, also geschlossen wurden. Oftmals hatte das wirtschaftliche Gründe: Es war nicht mehr rentabel, sie weiter zu betreiben. Dies passiert oft, wenn Destillerien von großen Spirituosenkonzernen aufgekauft werden. So wurden allein von Diageo 16 Brennereien geschlossen.
Rosebank Distillery in Falkirk

Aber bereits Anfang des 19. Jahrhundert verschwanden immer wieder Brennereien von der Bildfläche – meistens waren es kleinere, illegal produzierende Brennereien oder kleine Farmdistilleries.

In den 1920er Jahren führten dann die Auswirkungen der Prohibition und der Wegfall des US-amerikanischen Marktes zu Brennereischließungen und in den 1980er Jahren gehen viele verlorenen Destillerien auf das geringe weltweite Interesse an Whisky zurück. So schlossen im letzten Jahrhundert knapp 100 schottische Whisky-Brennereien für immer ihre Brennblasen, es wurde kein Whisky mehr produziert. Die noch gelagerten Whiskys waren mit der Zeit alle abgefüllt und im Handel. Manche Abfüllungen aus Lost Distilleries wie z.B. Port Ellen, Brora oder Rosebank sind noch erhältlich und ihre Werte steigen steigen.

Forever Lost?
Nein, nicht jede Lost Distillery ist für immer verloren. Je nach Lost-Zustand ist eine Wiederinbetriebnahme möglich. Unterschieden wird in zwei grundlegende Kategorien:

mothballed
demolished

Die »mothballed Distilleries«, also eingemotteten Brennereien, sind welche, bei denen noch die komplette Produktionsanlage existiert. Sie könn(t)en mit kleinem Aufwand jederzeit wieder genutzt werden (z.B. Brora).

Bei »demolished Distilleries« hingegen ist mindestens die Brennblase bereits abgebaut (z.B. Port Ellen) oder sie sind gänzlich abgerissen (z.B. Littlemill oder Pittyvaich). Da ist der Wiederaufbau etwas aufwändiger oder – zumindest – in der damaligen Form – nicht mehr möglich.


Was von Littlemill Distillery noch übrig ist. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen moderne Wohnanlagen auf dem ehemaligen Gelände der Brennerei.

Aktuell wird unter anderem daran gearbeitet, Rosebank, Brora (Clynelish I) oder Port  Ellen auf Islay wieder in Betrieb zu nehmen. Und bereis 2008 wurde die Lost Distillery Glenglassaugh wiedereröffnet, nachdem sie 22 Jahre geschlossen war.

Ein Blick lohnt sich
Wann immer es sich auf meinen Reisen durch Schottland ergibt, halte ich an Lost Distilleries. Es gibt nicht immer viel zu sehen, aber sie sind Teil der Whisky-Geschichte.


Die Kennetpans Distillery war die Destilelrie der bekannten Whisky Familie Haig. Sie wurde aber bereits seit Mitte des 19 Jahrhunderts nicht mehr genutzt. Das historische Foto zeigt die Brennerei 1925.

Zudem durfte ich auch schon den einen oder anderen »Lost Whisky« genießen, da interessiert es mich auch, wo er mal produziert wurde.

In kommenden Artikeln werde ich Euch unter dem Titel »Es war einmal« einzelne Lost Distilleries vorstellen, u.a. Port Ellen, Lossit, Brora, Parkmore, Pittyvaich, Rosebank, Littlemil, Covalmore, Coleburn.