St. Kilian Distillers – Tschörmän Wiskij


Whiskys aus Deutschland?! Daran scheiden sich die Geister. Uns hatte lange keiner so wirklich überzeugt. Doch eine deutsche Brennerei hat uns mit ihren Whiskys eines Besseren belehrt: St. Kilian aus Rüdenau, in der Nähe von Miltenberg. Und weil das nicht so weit von Offenbach weg ist, haben wir einen Teamausflug gemacht, um uns die Brennerei einmal genau anzuschauen und um der Frage nachzugehen: Wie kommt eine Destillerie ist ein 700-Seelen-Dorf an der hessisch-bayerischen Grenze?

Whisky-Brennerei auf dem Lande
Andreas Thümmler ist ein großer Whiskysammler. Bereits vor Jahre lernte er in Irland den damaligen Master Distiller von Cooley (Killbegan, Connemara) kennen. David Heynes und Thümmler blieben in Kontakt und bei Tümmler reifte die Idee einer eigenen Whisky-Brennerei. Eine geeignete Immobilie fand er auch auch: In Rüdenau hatte er bereits eine leerstehende Textilfabrik mit eigener Quelle gekauft.

Das war kurz bevor 2011 Hynes zur Interwhisky in Frankfurt kam. Dort trafen sich die beiden. Thümmler stellte dem Iren seine Idee vor und bat ihn, die Brennerei zu konzipieren. Hynes lehnte ab: Er wollte sich zur Ruhe setzen und die Rente genießen.

»German Scotch«
Dann ließ er sich doch für das Projekt begeistern; er würde Tümmler unterstützen – unter einer Bedinung: Er durfte alles so bestellen, wie er es wollte. Ohne Diskussionen über Kosten oder Erforderlichkeiten. Die beiden kamen ins Geschäft und die Single-Malt-Whisky-Destillerie nach schottischem Vorbild wurde 2012 gegründet.

Hynes kaufte nur das Beste: u.a. Washbacks aus Holz und Pot Stills von Forsyth aus der Speyside. 

Dazu entschied Hynes neben den technischen Aspekten, dass das beste Ergebnisse nur mit einem Brau- und einen Brennmeister erzielt werden kann. Es sollte keine »eierlegende Wollmilchsau« für beide Produktionsschritte zuständig sein.

Think big
Bis alles geliefert und eingerichtet war, gingen nach der Gründung noch einmal vier Jahre ins Land, bis endlich produziert werden konnte. Pünktlich zum St. Patrick’s Day 2016 floß der erste New Make aus den Pot Stills, die mit 6.000 Liter Fassungsvermögen die größten Pot Stills auf dem europäischen Kontinent sind. Think big – Tümmler und Hynes waren sich einig, dass in St. Kilian nicht nur ein paar Dutzend Fässer pro Jahr produziert werden sollen.

Think big gilt auch beim Fassmanagement: Bereits heute wird der Spirit in vielen verschiedenen Fasstypen gelagert. Doch Ziel ist es, mittelfristig den St.-Kilian-Spirit in allen 87 zugelassenen Fasstypen (Größen und Vorbelegungen) reifen zu lassen. Denn eine solche Fassvielfalt ermöglicht verschiedenste Single-Malt-Kombinationen und eine riesige Single-Cask-Auswahl.

Alles neu macht der Mai
Auch wenn es noch (!) kein Whisky in St. Kilian abgefüllt werden kann, so ist das, was in Rüdenau auf die Flaschen kommt, schon jetzt sehr spannend. Es gibt vor allem Small-Batch-Abfüllungen aus unterschiedlichen Fässern, die alle sehr gut trink- und genießbar sind (und bei uns erhältlich) und anhand derer gut nachzuvollziehen ist, wie sich die Fässer auf den Spirit auswirken.

Aber im Mai ist es endlich soweit: Dann sind drei Jahre und ein Tag vergangen und der erste St.-Kilian-Whisky darf in die Flasche.

Wir sind gespannt.

Harte Fakten
Produktionsvolumen: 200.000 Liter Rohalkohol (Stand: 01/2019)
4 hölzerne Washbacks (je 10.800 Liter), deren Temperatur mit Kühlplatten gesteuert werden kann

Stills: eine Wash Still, eine Spirit Still (je 6.000 l)

Malz: ungetroftes Pilsener Malz von der Mälzerei Weyermann
getorftes Malz bis 100 ppm aus Schottland Glenesk Maltings

Fermentationszeit 3 Tage, 62–70 Stunden

New Make: 69 Vol %, herunterverdünnt auf 63,5 Vol %

Standardabfüllungen:
verscheidene Liköre auf Basis des White Dog oder Turf Dog (nicht rauchiger oder rauchiger New Make)
zur Zeit fassgelagerte Malzbrände/Spirits verschiedene Batch-Abfüllungen

Für eine größere Ansicht, Bilder in neuem Tab öffnen.
          

               

Es war einmal – Lost Distilleries

Wer tiefer in die Welt der Whiskys eintaucht, hört früher oder später mal beim Anblick nicht so gängiger Flaschen ein ehrfürchtiges Raunen: »Ah, der Whisky kommt von einer Lost Distillery.« (Manchmal liest oder hört man statt Lost auch Silent Distillery.)

Lost Distillery?! Verlorene Brennerei?! Ja, es gibt Brennereien, die irgendwann »verloren« gegangen sind, also geschlossen wurden. Oftmals hatte das wirtschaftliche Gründe: Es war nicht mehr rentabel, sie weiter zu betreiben. Dies passiert oft, wenn Destillerien von großen Spirituosenkonzernen aufgekauft werden. So wurden allein von Diageo 16 Brennereien geschlossen.
Rosebank Distillery in Falkirk

Aber bereits Anfang des 19. Jahrhundert verschwanden immer wieder Brennereien von der Bildfläche – meistens waren es kleinere, illegal produzierende Brennereien oder kleine Farmdistilleries.

In den 1920er Jahren führten dann die Auswirkungen der Prohibition und der Wegfall des US-amerikanischen Marktes zu Brennereischließungen und in den 1980er Jahren gehen viele verlorenen Destillerien auf das geringe weltweite Interesse an Whisky zurück. So schlossen im letzten Jahrhundert knapp 100 schottische Whisky-Brennereien für immer ihre Brennblasen, es wurde kein Whisky mehr produziert. Die noch gelagerten Whiskys waren mit der Zeit alle abgefüllt und im Handel. Manche Abfüllungen aus Lost Distilleries wie z.B. Port Ellen, Brora oder Rosebank sind noch erhältlich und ihre Werte steigen steigen.

Forever Lost?
Nein, nicht jede Lost Distillery ist für immer verloren. Je nach Lost-Zustand ist eine Wiederinbetriebnahme möglich. Unterschieden wird in zwei grundlegende Kategorien:

mothballed
demolished

Die »mothballed Distilleries«, also eingemotteten Brennereien, sind welche, bei denen noch die komplette Produktionsanlage existiert. Sie könn(t)en mit kleinem Aufwand jederzeit wieder genutzt werden (z.B. Brora).

Bei »demolished Distilleries« hingegen ist mindestens die Brennblase bereits abgebaut (z.B. Port Ellen) oder sie sind gänzlich abgerissen (z.B. Littlemill oder Pittyvaich). Da ist der Wiederaufbau etwas aufwändiger oder – zumindest – in der damaligen Form – nicht mehr möglich.


Was von Littlemill Distillery noch übrig ist. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen moderne Wohnanlagen auf dem ehemaligen Gelände der Brennerei.

Aktuell wird unter anderem daran gearbeitet, Rosebank, Brora (Clynelish I) oder Port  Ellen auf Islay wieder in Betrieb zu nehmen. Und bereis 2008 wurde die Lost Distillery Glenglassaugh wiedereröffnet, nachdem sie 22 Jahre geschlossen war.

Ein Blick lohnt sich
Wann immer es sich auf meinen Reisen durch Schottland ergibt, halte ich an Lost Distilleries. Es gibt nicht immer viel zu sehen, aber sie sind Teil der Whisky-Geschichte.


Die Kennetpans Distillery war die Destilelrie der bekannten Whisky Familie Haig. Sie wurde aber bereits seit Mitte des 19 Jahrhunderts nicht mehr genutzt. Das historische Foto zeigt die Brennerei 1925.

Zudem durfte ich auch schon den einen oder anderen »Lost Whisky« genießen, da interessiert es mich auch, wo er mal produziert wurde.

In kommenden Artikeln werde ich Euch unter dem Titel »Es war einmal« einzelne Lost Distilleries vorstellen, u.a. Port Ellen, Lossit, Brora, Parkmore, Pittyvaich, Rosebank, Littlemil, Covalmore, Coleburn.

 

Oban – Whisky mitten aus der Stadt

Der 14jährige Oban aus der Classic Malt Edition war lange einer meiner Lieblingswhiskys. Da war es ein “Muss” endlich auch mal die Destillerie zu besichtigen. Bei der Schottlandreise im Oktober 2018 war es dann auch soweit.

Oban Distillery
Die eher kleine Brennerei liegt mitten in der gleichnamigen Stadt – unweit vom Fährhafen. Aber unter uns: Oban ist durchaus überschaubar; alles ist fußläufig von der Brennerei zu erreichen. Daher empfiehlt es sich, dass Auto – sofern man mit dem Auto kommt – auf einem Parkplatz am Stadtrand abzustellen. Von dort erreicht man die Innenstadt, die Destillerie und den Hafen in 5 Minuten zu Fuss.


Gebucht hatte ich eine Standardtour, die einen guten Überblick bietet. Die Führung war gut, informativ und kurzweilig: Neben den Basics der Whiskyherstellung und den Besonderheiten der Oban-Whiskyherstellung wurden kleine interessante Details über die Brennerei erzählt. So erfuhr ich, dass der Ursprung einer der älteste Brennereien (1794) Schottlands eine Brauerei war. Doch die Gründer hatten aber bald erkannt, dass sie mit Whisky mehr Geld verdienen konnten. Es war 1890 auch geplant, die Destillerie zu vergrößern, was dann aber durch prähistorische Funde kolportiert wurde.

Bilder vom Innern durften wie in allen Destillerien, die zum Diageo-Konzern gehören, nicht gemacht werden. In der Tour inbegriffen waren zwei Drams (Oban 14 und Oban Little Bay) und eins der Tastinggläser.

Wer keine Führung machen möchte, kann die Whiskys der Brennerei, sowie auch weitere aus dem Diageo-Konzern (Talisker, Lagavulin, Caol Ila, Dalwhinnie, etc.) in der Bar verkosten. Da die Bar  Teil des Ausstellungsraums ist, lernt man auch hier schon einiges über die Geschichte der Oban Destillerie.

Die »harten« Fakten

Standardabfüllungen
Oban 14, Distillers Edition
Little Bay (vatted aus Oban 14 und Sherry-Fässern)
Oban 21 Jahre
Oban Distillery Edition (Sherry Finish)

Spezialabfüllungen
Distillery Only (aktuell recharged Fässer)



Jahresproduktion
ca. 670.000 Liter Rohalkohol entspricht
rund 1 Million Flaschen

Produktionspezifika
Malz: leicht getorftes von den Roseisle Maltings bei Elgin
Mashtun aus Edelstahl
6 Washbacks aus Holz
Fermentationszeit: mindestens 60 h

Ein paar Tipps udn Impressionen zur Stadt findet ihr im Blogbeitrag »Oban – maritimes Zentrum von Argyll & Bute«.