Gin – ein Getränk mit viel Stil und vielen Stilen! (Teil 3)


Hey, wir sind noch nicht am Ende. Ein paar Gin-Stile haben wir noch für euch. Vielleicht ein wenig exotischer als das, was wir euch bisher vorgestellt haben, aber ihr wisst ja … Probieren geht über Studieren.

Was soll denn das? Fassgelagerter Gin!
Eigentlich ja gar nicht so abwegig, wenn wir daran denken, dass Fässer schon sehr lange als Transport- und Lagerbehälter verwendet werden. Was früher vielleicht eher ein Zufallsprodukt war, ist heute absolut gewollt. Die Lagerung in Holzfässern erweitert abhängig davon, was sich vorher in dem Fass befand, das Aromenspektrum des Gins z.B. Ex-Rum-Fass oder Ex-Cognac-Fass hört sich doch sehr verlockend an. Fassgelagerte werden auch als „aged gins“ (gealterte Gins) bezeichnet. Denn sie werden nicht direkt nach der Produktion in Flaschen abgefüllt, sondern sie verweilen noch ein paar Monate im Fass bevor wie sie genießen können. Neben den Aromen geben die Fässer dem Gin auch eine Färbung mit.

Auf jeden Fall ist es spannend, diese Gins leicht gekühlt pur zu trinken. Natürlich könnt ihr sie auch mit Tonic mixen, aber probiert auf jeden Fall erst einmal pur!

Neben dem Gunroom Gin und dem Blackwater Juniper Cask, haben wir seit neuem, den sehr leckeren Ursel Golden Oak Gin im Sortiment

New Western Dry Gin – brauche ich einen Cowboy-Hut dafür?
New Western Dry Gin ist der jüngste Gin-Stil – wenn auch keine offizielle Kategorie. Bei Gins dieses Stils können wir uns schon manchmal fragen, ob das eigentlich noch Gin ist. Der Wacholder steht hier nicht im Vordergrund, sonder ist geschmacklich eher mit den anderen Aromen auf Augenhöhe. Ein Gin ist es aber auf jeden Fall, denn Gin ist eine geschützte Bezeichnung und wenn es keiner wäre, dürfte es auch nicht draufstehen.

Wer also gerne mal etwas experimenteller als klassisch unterwegs ist, wird bei den New Western Dry Gins sicherlich fündig werden.

Hier nur einige Beispiele:
Principe des los Apostoles aus Argentinien
Nordes Gin
BCN Gin
Gin Sieben


Sloe Gin – hört sich besser an als Schlehenlikör, oder?

Sloe Gin ist ein Likör, der durch Mazeration (Einlegen) von Schlehen hergestellt wird. Ein Mindestalkoholgehalt von 25% ist vorgeschrieben. Wie der Name Likör schon erahnen lässt, ist auch Zucker mit im Spiel.

Eine toller Begleiter zu süßen Desserts, einer Käseplatte oder leicht gekühlt pur zu geniessen.

Der Quince von Ferdinands Gin, bei dem statt Schlehe auf die Quitte zurückgegriffen wird, darf sich übrigens nicht Gin nennen, da die Ausnahmeregel, was den Alkoholgehalt angeht nur für Sloe Gin gilt.

Sloe Gin von Elephant Gin ist unser Favorit.

Ihr merkt schon, Gin hat einen Menge zu bieten – eine große Bandbreite an Aromen sowieso und durch die verschiedenen Stile gefühlt noch unendlich viele Möglichkeiten. Wenn wir dann noch die mittlerweile große Menge an unterschiedlichen Tonics dazunehmen, die weitere Kombinationsmöglichkeiten liefern, können wir uns noch ein Weilchen damit beschäftigen. Dabei wünschen wir euch viel Spaß und genussvolle Geschmackserlebnisse.

Der Gin mit dem Elchhasen – Harahorn aus Norwegen


In Norwegen gab/gibt es es wie in den anderen skandinavischen Ländern eine strenge Alkoholkontrolle und ein staatliches Monopol. Die Brennerei, aus der dieser Gin stammt, war die erste, die nach dem Fall des staatlichen Brennmonopols die Lizenz zum Brennen bekam. Bei meinem besuch in Oslo letztes Jahr hatte ich ihn entdeckt, verkostet und gleich darauf in unser Ladensortiment aufgenommen.
Das Tier, welches die Flasche schmückt, ist eine Mischung aus Hase und Elch, ein norwegisches Fabelwesen. Und der Gin ist passend dazu auch fabelhaft. Eine schöne Kombination aus kräftigen Wacholder und Gewürznoten, und Waldbeeren, allen voran Heidelbeeren. Jedoch bleibt der gin-typische Wacholder immer im Vordergrund. Die Botanicals stammen allesamt aus Norwegen. Neben Wacholder und Heidelbeeren wurden noch Rhabarber, Blasentang, Engelwurz und wilder Majoran verwendet.
Ich mag ihn pur aber auch in der Kombination mit Tonic funktioniert er, ohne geschmacklich unterzugehen. Ich kombiniere ihn am liebsten mit meinem Allrounder, dem Schweppes Dry (graues Etikett) aber wer es süßer mag, kann auch gerne Thomas Henry oder Fever Tree Indian Tonic verwenden. Probiert es selbst aus, denn ihr wisst ja, jeder hat einen anderen Geschmack. Es gibt nicht die eine Gin & Tonic Kombination.

Crossbill Gin – weniger ist mehr

Das Besondere am Crossbill Gin ist, dass er in Zeiten, in denen teilweise eine möglichst große Zahl an exotischen Botanicals die Ginwelt bestimmt, er nur mit zwei Botanicals auskommt: Wacholder und Hagebutte.

Beide werden im Cairngorm Nationalpark in den schottischen Highlands
gepflückt. Sie werden danach jedoch nicht getrocknet, sondern schockgefroren, um dann quasi frisch weiterverarbeitet zu werden. Damit ist der Crossbill ein Full Scottish Gin. Die Brennerei von Jonathan Engels liegt in Glasgow und destilliert dort in einer kleinen 150 Liter Pot Still.

Vor dem Hintergrund von »nur« zwei Botanicals, erwartet man vermutlich nicht diese Komplexität an Aromen. Natürlich dominiert der Wacholder – es ist ja auch ein Gin – aber auch viele fruchtige Noten, die man gar nicht genau beschreiben kann. Im Mund ist er sehr weich und cremig und daher auch sehr gut zum pur genießen geeignet. Voluminös, geradeaus, fruchtig und ohne Schnick-Schnack.

18. September: Gin international (Gin-Tasting)


Gin ist international. Pur oder in Longdrinks, wie dem Klassiker Gin Tonic, erfreut sich Gin wachsender Beliebtheit. Wir stellen bei der Verkostung sechs Gin aus verschiedenen Ländern bzw. mit Botanicals aus aller Welt vor. Verkostet werden die verschiedenen Gins zunächst pur und dann mit dazu passendem Tonic Water. So läuft ein Gin-Tasting bei uns ab.

Mit dabei sind unter anderem Gins aus den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Japan, oder Südamerika.

In der Pause gibt es ein paar Snacks zur Stärkung und zur Neutralisierung bieten wir Wasser und Weißbrot an.

Bitte sorgt für eine gute »Grundlage« (Essen) vor der Verkostung und eine sichere Heimreise danach. Don’t drink and drive!

Wir bitten um verbindliche Anmeldung via E-Mail oder im Laden:
tasting@die-genussverstaerker.de

Preis 45 Euro inklusive Getränke und Snacks (pro Person)
Ort Die Genussverstärker, Laden in der Bernardstr. 63a, Offenbach
Datum/Beginn 18. September 2019, Mittwoch, 20:00 Uhr (Dauer ca. 3 Stunden)

Gin – ein Getränk mit viel Stil und vielen Stilen! (Teil 2)

Weiter geht es auf unserer Reise durch die Welt der Gin-Stile. Gin, Destilled Gin, London Gin oder London Dry Gin – das kann schon verwirrend sein. Was diese Bezeichnungen bedeuten und wie sie verwendet werden hat die EU 2008 geregelt.

Keine Angst, es wird jetzt nicht so trocken. Wir bringen nur mal ein wenig Licht ins Dunkle und schauen mal, wie das alles so ist, mit den Spirituosen und dem Gin. Ist also ein Artikel zum Thema „Bildungstrinken“. Wer es dann ganz genau wissen will, kann es in der Verordnung (EG) Nr. 110/2008  nachlesen.

Ihr könnt euch aber auch gerne einen eurer Lieblingsgins einschenken und mal auf dem Etikett nachschauen, was es denn genau ist. Dann  liest es sich vielleicht doch gleich etwas flüssiger.

Gin

  • Gin ist eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit Wacholderbeeren gewonnen wird.
  • Der Mindestalkoholgehalt von Gin beträgt 37,5 % vol.
  • Bei der Herstellung von Gin dürfen nur definierte Aromastoffe und/oder Aromaextrakte verwendet werden, wobei der Wacholdergeschmack vorherrschend bleiben muss.

Destillierter Gin

  • Destillierter Gin ist  eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die ausschließlich durch erneute Destillation von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit einem ursprünglichen Alkoholgehalt von mindestens 96 % vol in Destillierapparaten, die herkömmlicherweise für Gin verwendet werden, unter Zusetzen von Wacholderbeeren und anderen pflanzlichen Stoffen hergestellt wird, wobei der Wacholdergeschmack vorherrschend bleiben muss, oder
  • eine Mischung eines so gewonnenen Destillats mit Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs der gleichen Zusammensetzung, Reinheit und gleichem Alkoholgehalt; zur Aromatisierung von destilliertem Gin können auch definierte Aromastoffe und/oder Aromaextrakte verwendet werden.
  • Der Mindestalkoholgehalt von destilliertem Gin beträgt 37,5 % vol.
  • Gin, der durch den einfachen Zusatz von Essenzen oder Aromastoffen zu Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs gewonnen wird, darf nicht die Bezeichnung destillierter Gin tragen.

London Gin

  • London Gin gehört zur Spirituosenart Destillierter Gin.
  • Er wird ausschließlich aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (Methanolgehalt von höchstens 5 g/hl reiner Alkohol) gewonnen; sein Aroma wird ausschließlich durch die erneute Destillation von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs in herkömmlichen Destilliergeräten unter Zusetzen aller verwendeten pflanzlichen Stoffe gewonnen.
  • Der Mindestalkoholgehalt des hieraus gewonnenen Destillats beträgt 70 % vol.
  • Jeder weitere zugesetzte Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs muss definierten Merkmalen entsprechen, allerdings mit einem Methanolgehalt von höchstens 5 g/hl reiner Alkohol.
  • Sein Gehalt an zugesetzten süßenden Erzeugnissen darf nicht mehr als 0,1 g Zucker je Liter des Fertigerzeugnisses betragen, und er enthält keine zugesetzten Farbstoffe.
  • Er enthält keine anderen zugesetzten Zutaten außer Wasser.
  • Der Mindestalkoholgehalt von London Gin beträgt 37,5 % vol.
  • Die Bezeichnung London Gin kann durch den Begriff „dry“ ergänzt werden.

Ihr merkt also, Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und Wacholder sind irgendwie immer mit im Spiel. Dann geht es darum, ob noch einmal destilliert wird oder nicht. Und ob weitere Zutaten z.B. Zucker zugeben wurden. Begegnet euch Gin mit einem Alkoholgehalt von weniger als 37,5% vol, ist es kein Gin. (zur Besonderheit Sloe Gin erfahrt ihr im driten Teil mehr.)

Aus der Bezeichnung des Gins könnt ihr also die Herstellungsmethode erkennen und nun wisst ihr auch, dass ein London Gin nicht aus London kommen muss. Aber wie immer zählt euer persönlicher Geschmack und das ist mehr als eine Definition nach einer EU Verordnung.