Über Peter Reichard

Grafikdesigner, Genussmensch, Whisky- und Weinliebhaber

Rosé rockt den Sommer – neue Weine

Wir selbst sind große Fans von Rosé-Weinen und spätestens bei der jährlichen Rosé-Verkostung verstehen dies viele und sind überrascht von der geschmacklichen Vielfalt. Warum auch nicht, es sind die gleichen Traubensorten, die für die Vielfalt von Rotweinen stehen, aus denen Rosé_Weine produziert werden. Rosé ist eine eigene »Weinfarbe« und keineswegs nur so irgendwas zwischen Weiß- und Rotwein und vor allem alles andere als süßer Bonbon-Wein. Ihm haften leider immer noch viele Vorurteile an. Das ist nur was Mädels oder Rosé ist immer süß bis hin zu den unsinnigen und abwertend gemeinten Äußerungen wie »Rosé, der sieht schon so schwul aus«. Rosés sind nicht nur leichte Sommerweine, sondern je nach Ausbau auch übers ganze Jahr zu genießen und vor allem hervorragende Speisenbegleiter.

Aber selbst in vielen, auch gehobener, Restaurants gibt es eine Vielzahl von Weiß- und Rotweinen auf der Weinkarte, meist aber nur ein oder maximal zwei Rosé. Wir sagen: Rosé ist cool und zum Genießen gehört es seinen Horizont auch zu erweitern.

Die Rosé aus der Verkostung:
Olli aus der Reihe Monkey Republic (Zweigelt, Merlot, St. Laurent und Spätburgunder)
St. Laurent Rosé, Weingut Eymann
Pinot Meunier Rosé, Weingut Hahn-Pahlke
Rosé, Weingut Hinterbichler (Spätburgunder, Frühburgunder und Dornfelder)
Porcosporco, Zio Porco (Spätburgunder, Marzemino)
The Station Carignan Rosé, Domaine Jones
Rotten Roses, Winepunk (Bombino, Negroamaro)

Was hört man zum Rosé? Alles was man mag, aber ich höre gerade unheimlich gerne diese beiden Stimmen von Days N Daze. Zart, leise, rau, laut, langsam, schnell, alltäglich, besonderes … alles nacheinander und zugleich, so vielseitig Rosé-Weine sein können.

Whisky-Geheimtipp: Rozelieures Whisky aus Lothringen

Bereits im letzten Jahr konnten wir das erste Mal Whiskys von Rozelieures verkosten und waren direkt begeistert. Whiskys gibt es seit Jahren eben nicht nur aus Schottland und Irland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern. Durch ein Faible für Frankreich haben wir schon seit einigen Jahren die franzöisischen bzw. bretonischen Whiskys von Armorik im Sortiment.

Im lothringischen Rozelieures entstand die Idee für Whiskys zu Beginn der 2000er Jahre als Hubert Grallet, Brenner und Christophe Dupic, Landwirt, nicht nur gemeinsam Whisky tranken und Schottland besuchten, sondern bei dem ein oder anderen Dram die Idee entwickelten selbst Whisky zu produzieren. Der eine kannte sich mit dem Brennen aus, der andere mit Gerste und aus der Idee wurde ein Plan. Mittlerweile gibt es vier Standardabfüllungen und das besondere dabei ist, dass alle mit mehr oder stark torf-rauchiger Gerste hergestellt werden.

Letztes Jahr haben wir die Destillerie besucht. Wobei man das etwas vorsichtig ausdrücken muss, wenn man dabei ein Bild von schottischen Brennereien vor Augen hat. Als jemand, der ursprünglich aus dem Saarland stammt, kenne ich Lothringen, wusste aber nicht wie landschaftlich idyllisch diese Region sein kann. In dem kleinen Dörfchen gibt es keine großartigen Hinweisschilder und selbst wenn man vor der Destillerie steht, erinnert sie eher an den örtlichen Obst- und Gartenbauverein. Dazu passt der Titel »Maison de la Mirabelle«. Die Region ist nämlich das Zentrum für Mirabellen und Mirabellenbrände. Hier wird der Whisky auf eher ungewohnten Charenteser-Brennblasen (Alambic-Verfahren) zweifach destilliert, die man von der Coganc-Herstellung kennt. Und neben Obstbränden und Whisky wird auf den gleichen Brennblasen auch Parfum (!) auf Alkoholbasis destilliert. Etwas was ich sonst auch noch nie gehört habe.


Im Hintergrund hinter der Destillerie sieht man auch den Vulkan, der das Label ziert. Der besuch der Destillerie kostet nichts, aber ausser einem kleinen Film und einer grafischen Animation der Herstellung wird einem nicht viel weitere Information geboten. Das was dort jedoch in die Flaschen gefüllt wird hat uns jedoch total überzeugt.

Zumal die Fumé und Thourbé Collection immerhin 8 Jahre alt sind, das zu einem angemessenen Preis. Vergleichbare Whiskys aus Deutschland sind da mindestens doppelt so teuer, wenn man sie überhaupt als 8jährige bekommt.

Wir stellen die einzelnen Abfüllungen noch mal gesondert und ausführlicher vor und ihr könnt sie natürlich auch bei uns im Laden probieren.

Abstecher zur 069 Spirits – Neuentdeckung Burgen Drinks & Rozelieurs Whisky

An einem Sonntag Nachmittag hab ich mit Martin zum Besuch auf der neuen Spirituosenmesse, 069 Spirits, in der Klassikstadt verabredet. Als Fachhändler bekamen wir zum Glück Freikarten, denn 20 Euro Eintritt ist schon ein Wort und geht damit noch deutlich über die ebenfalls nicht günstige Inter Whisky hinaus. Ich weiß nicht ob der Preis, oder das gute Wetter oder die nicht verkehrsgünstig gewählte Lage im hintersten Fechenheim der Grund war, aber die Messe war nur sehr mau besucht. Was für die anwesenden Aussteller eher negativ war, war für uns gut, denn es gab viel Platz, wenig Gedränge und damit viele Möglichkeiten mit den Anbietern zu fachsimpeln. Schön auch alte oder noch neue Bekannte dort zu treffen, wie etwa Phillip von Perola mit Rums von Compagnie des Indes bzw. Brockmans Gin sowie Cap Corse Aperitif.

Oder Charles von Spirit of Rum, die die Abfüllungen u.a. von Tres Hombres sowie Don Q vertreten, die bereits einen festen Platz bei uns im Sortiment haben.

Hervorzuheben sind zunächst die Burgen Drinks. Dahinter steckt niemand geringeres als Europas älteste Destillerei, nämlich die Schlitzer Destillerie. Vor allem haben es uns die beiden Gin angetan. Dazu kam, dass Andre von We Love Cocktails, der bereits selbst zwei Gin-Tastings bei mir besucht hat, dort die Gins präsentiert. Einfach schön Leute wieder zu treffen, die von unseren Tastings so angetan sind, dass mich Andre sogar als seinen Gin-Mentor bezeichnete. Wer Cocktails für seine Events sucht ist bei Andre und seinem Team genau richtig.

Die Gins von Burgen Drinks, so nennet sich die Linie hochwertiger Spirituosen aus der Schlitzer Brennerei werden sicherlich demnächst bei uns ins Sortiment aufgenommen werden. Während der klassische Burgen Gin sich durch Zitrus und Anis-/Fenchelaromen
auszeichnet ist der Distillers Cut geschmacklich wesentlich ausgefallener. Hier dominiert die Mandel den Gin, etwas was ich bisher so nicht kannte.

Letzte größere Station war Ferrand mit den Whiskys von Rozelieures aus Lothringen, Rums von Plantation, dem Citadelle Gin sowie natürlich deren Cognacs. Bis auf die Cogancs sind alle mittlerweile schon in unserem Laden vertreten.

Wir haben hier und da auch noch andere Dinge probiert und ich hab mir von Cadenhead auch noch einen wunderbaren 18jährigen Glen Scotia mitgenommen, aber die vorgestellten Spirituosen waren die für den Laden spannensten Tropfen.

Über die Schulter geschaut – Mitarbeiter/innen-Schulung bei den Genussverstärkern

Einmal im Monat setzen wir uns alle zusammen hin und probieren gemeinsam die aktuellen Neuheiten, also das was an Whisky, Gin, Rum oder Weinen neu zum Sortiment dazu gekommen ist. Denn alles was bei uns im Laden steht haben wir selbst schon verkostet und wir verkaufen nur, was wir selbst auch trinken würden.
Im Juni lag der Schwerpunkt auf Whisky und Gin. Lediglich ein Rum, der Fiji von Plantation war mit in der Verkostungsreihe. Was so locker und lustig aussieht ist trotzdem echte Arbeit und nach 20 verschiedenen Spirituosen merkt man auch schnell, dass man, was die feinen Nuancen angeht, schnell an seine Grenzen kommt.

Aber der Reihe nach. Den Start machten fünf neue Gins. Wie bei uns üblich verkosten wir sie zunächst pur und dann mit verschiedenen Tonic Water, so dass wir euch immer auch eine Empfehlung für Gin Tonic mit auf den Weg geben können.


Neu im Sortiment sind die beiden irischen Gin Beara Ocean Pink Gin und der auf Molke basierende Bertha’s Revenge Gin, der Klassiker von Citadelle sowie der gesüßte und fassgelagerte Old Tom Gin von Citadelle. Aromatisch ausgefallen ist der Apostoles Gin aus Argentinien mit den Aromen von Mate und Eukalyptus, die einen an die berühmten englischen Minz-Schokoloaden-Täfelchen erinnern lassen.

Die Whiskys haben den Großteil der neuen Spirituosen dargestellt. Dabei waren der Wolfburn Small Batch 270, zwei Abfüllungen von James Eadie (Caol Ila & Inchgover), Auchentoshan 14 Jahre, Secret Speyside von The Maltman, die neuen Abfüllungen von Spirit & Cask Range, der Bunnahabhain Stiùireadair und der neue Blended Malt Nectar Grove von Wemyss.

Nach drei Stunden angestrengten Verkosten, Austauschen, Notizen machen ging es dann noch zum Chicken Palace, auch bekannt als Speyereck, wo man die besten Hähnchen Offenbachs bekommt.

Passend dazu als Soundtrack The Oppressed* mit »All togeher now«.


* The Oppressed waren eine der ersten antirassistischen Skinheadbands, die für die Wurzeln des Ska und der Rude Boys & Rude Girls aus Jamaika stehen und nichts mit den antirassistischen Boneheads zu tun haben.

Neue Abfüllungen von Spirit & Cask Range (Ben Nevis, Croftengea, Glenrothes, Ardmore)

Die Abfüllungen von der Spirit & Cask Range verfolgen wir schon seit sieben Jahren, seit es uns gibt. Mittlerweile ist nicht nur der Inhalt super, sondern auch das Design der Etiketten dementsprechend hochwertig. Finde das eine sehr gute Lösung.

Vor einigen Wochen kamen schon der kräftig-rauchige Ardmore aus dem Port Cask zu uns sowie der fruchtig-cremige Glenrothes mit einem Madeira-Cask-Finish. Wieder aus dem Port Cask aber ohne Torfrauchnoten überzeugt der junge Ben Nevis mit großem Trinkfluss. Easy-Drinking wie es sein soll und ohne dabei anspruchslos zu sein.
Der Croftengea in Fassstärke ist dann schon eine kleine Torf-Rauch-Bombe. Aber eingepackt in feine Noten von gelben Früchten. Rauch und Süße in schöner Kombination. Dazu ein super öliges Mundgefühl, welches den Alkohol perfekt einbindet.
Wer sich über Croftengea als Destillerie wundert und sie auf keiner Karte findet, dem sei gesagt, dass sich unter diesem Namen rauchige Whiskys aus der Loch Lomond Destillerie verbergen.

Der dritte Neue ist der Peat 55. Ein No-Name-Whisky von der Insel Islay. Singe malt, aber ohne Altersangabe und vor allem mit dem Geheimnis der nicht benannten Brennerei. Dazu aber en super Preis-Genuss-Verhältnis. Wer kräftige Islay-Malts mag, aber nicht zu tief in den geldbeutel greifen möchte ist, dabe genau richtig. Ein All-Day-Whisky par Excellence.

Passend zum Croftengea auch den Song »Loch Lomond« von The Real McKenzies.